Aktuelles vom Pfälzischen Sportmuseum

So war‘s einmal 1948 - Haßlocher Handballhistoriker übergeben Trikotkoffer und 1948er-Plakat ans Pfälzische Sportmuseum

14.09.2017 11:31 von Finja Coerdt

Foto: Kaufmann
Foto: Kaufmann

In den jetzt frisch erschienenen „Mitteilungen des Vereins Pfälzische Sportgeschichte“ geht es im Hauptartikel um die Anfänge des Handballs in Haßloch bis in die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Die Autoren sind die Haßlocher Arno Schlafmann und Horst Stahler, die ihre umfangreichen Recherchen bereits 2013 und 2014 in den Haßlocher Heimatblättern unter dem Titel „Handball in Haßloch, Teil 1 & 2“ veröffentlicht haben. Stolz können die Haßlocher darauf sein, dass ihre Handballtradition, fast 100 Jahre zurückreicht. Die Geschichte des Handballs beginnt hier nahezu zeitgleich mit den Anfängen der Sportart in Deutschland, nämlich im Jahre 1920. In ausführlichen Artikeln beschreiben die Autoren die Entwicklung und die große Popularität des Handballs gerade in der Frühzeit: bereits Ende der 1920er Jahre gab es allein in Haßloch drei Handballvereine.
Arno Schlafmann und Horst Stahler machten sich vor dem Hintergrund der Präsentation im Pfälzischen Sportmuseum auf die Suche nach weiteren Objekten – und sie wurden fündig. Und zwar bei Gerhard Scheurer, dem Sohn des Haßlocher Spielertrainers der 1930er Jahre, Otto Scheurer. Gerhard Scheurer fand auf dem Dachboden seines Hauses einen einfachen und schlichten Holzkoffer, wahrscheinlich Marke »Eigenbau«, aus der Nachkriegszeit, der als Trikotkoffer für die Handballer diente. Darin lagen zwar keine Trikots mehr, dafür aber ein altes, selbstangefertigtes Werbeplakat von 1948 mit einem schreibmaschinengeschriebenen Aufruf an die Haßlocher „Handballfreunde“. Daneben eine Collage einer gezeichneten Figur im blau-weiß gestreiften Dress der SG Haßloch mit einem aufgeklebten Foto, das den Kopf des Trainers Otto Scheurer zeigt. Eine Sprechblase kündigt an: „alloo mool uffegebasst do“. Zusätzlich ist links ein Foto einer Handballszene auf dem Jahnplatz in Haßloch aufgebracht; darüber der Text: „So war‘s einmal 1948“.
In der Mitte dann der maschinengeschriebene Aufruf an die Haßlocher Bürger, mit zum Entscheidungsspiel nach Bingen gegen die Mannschaft von Grün-Weiß Obermendig zu fahren. Gemeint war hier das Entscheidungsspiel 1948 in der französischen Besatzungszone, die in 4 Spielregionen eingeteilt war: Rheinhessen-Pfalz, Rheinland, Südbaden, Südwürttemberg-Hohenzollern. Haßloch gewann dieses Spiel gegen Obermendig und dann auch das Endspiel der französischen Zone gegen den TSV Rot-Weiß Lörrach, und hatte sich damit für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Doch es kam anders. Die SG Haßloch bekam für diese Meisterschaft keine Teilnahmegenehmigung der Besatzungsbehörde. Die Deutsche Feldhandball-Meisterschaft 1948 wurde somit in einem interzonalen Endrundenturnier der stärksten Vereine der amerikanisch-britischen Bizone und West-Berlins, ohne französische Besatzungszone, ausgespielt. Neuer Deutscher Meister wurde der THW Kiel (damals noch als TV Hassee-Winterbek), der das Endspiel gegen den SV Waldhof Mannheim mit 10:8 gewann.
Wie dem auch sei: der Aufruf an die Haßlocher Handballfreunde 1948 hat sich jedenfalls gelohnt.
„Koffer und Plakat sind wertvolle Dokumente aus dem Sport unserer Region, die den Zeitgeist, die Sprache und die bescheidenden Mittel der Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg widerspiegeln. Wir freuen uns sehr über diese aussagekräftigen Exponate zur Pfälzer Handballgeschichte. Immer mehr können wir durch die Mitarbeit ehrenamtlicher Unterstützer Themen wie jetzt hier den Handballsport deutlicher und facettenreicher im Sportmuseum präsentieren“, bedankte sich Sportmuseums-Leiter Asmus Kaufmann.

Foto: Übergabe des Koffers und des Plakates an das Pfälzische Sportmuseum; von links: Arno Schlafmann, Gerhard Scheurer und Horst Stahler.

Auszug aus dem Plakataufruf
„Grün-Weiss Obermendig und S.G. Hassloch, die schärfsten Konkurrenten unserer Zone sind punktgleich. Jede Mannschaft hat ein Spiel gewonnen und ein Spiel verloren. Daher ist ein Entscheidungsspiel notwendig geworden, das am 18. April, also am nächsten Sonntag in Bingen ausgetragen wird. Die Tragweite und Bedeutung dieses Spiels für unsere Mannschaft ist noch gar nicht abzusehen. Wer dieses Spiel verliert ist ausgeschaltet für die Meisterschaftsrunde um die Zonenmeisterschaft und kommt für die deutsche Handballmeisterschaft nicht mehr in Frage (…) Es entscheidet sich also am kommenden Sonntag nicht nur, ob die Meisterschaft traditionsgemäß in Hassloch bleibt, sondern auch ob wir dieses Jahr in Hassloch Handballgroßkämpfe sehen werden oder nicht,…ob unsere Mannschaft in den Endrunden um die deutsche Meisterschaft dabei sein wird oder nicht!

Kontakt:
Asmus Kaufmann
Referent für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
T 0631.34112-35

 

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