Aktuelles vom Pfälzischen Sportmuseum

Volleyball-Pioniere aus Limburgerhof Pfälzischen Sportmuseum

30.03.2017 13:33 von Finja Coerdt

Foto: Die anwesenden Spieler der Erfolgsmannschaft
Die anwesenden Spieler der Erfolgsmannschaft
Es war eine Sensation, als im November 1958 die Volleyballmannschaft des damaligen ASV Limburgerhof, die Deutsche Meisterschaft in Castrop-Rauxel gewann. Die Mannschaft stieg wie Phönix aus der Asche. Innerhalb von neun Monaten hatte Trainer Werner Lohr relativ unbemerkt eine Mannschaft aufgebaut, die ihren Erfolg auch 1959 wiederholte. Trainer Lohr war von 1957-1958 auch Volleyball-Bundestrainer. Bis 1960 stellte der ASV mit seinen Volleyballern aus Limburgerhof die beste Mannschaft Deutschlands. Jetzt trafen sich einige der Spieler am 29. März im Pfälzischen Sportmuseum in Hauenstein wieder; Fritz Buch und Reinhard Blechschmidt blickten auf diese Erfolgsjahre zurück. Spieler Bernd Henschke sorgte für ein musikalisches Rahmenprogramm.
Es ist fast 60 Jahre her, als eine pfälzische Volleyballmannschaft ganz plötzlich von null auf hundert durchstartete. Es waren offiziell die Volleyballer des ASV Limburgerhof. Genau genommen stammten die Spieler aber alle aus dem Christlichen Jugenddorf (CJD) Limburgerhof, das erst im Jahre 1957 als Industriejugenddorf und Ausbildungsstätte für junge Menschen gegründet wurde. 1958 wurde Werner Lohr (1927-1993), der ein Jahr zuvor aus dem Osten Deutschlands nach West-Berlin flüchtete, dort als Jugendleiter und Sportlehrer eingestellt. Im Februar 1958 begann er gleich mit 16 jungen Sportlern eine Volleyballmannschaft aufzubauen. Diese Mannschaft schloss sich im Sommer dieses Jahres – wie alle Sportabteilungen des CJD – dem ASV Limburgerhof an. Somit konnte man am geregelten Spielbetrieb der Verbände teilnehmen, ohne einen eigenen Verein gründen zu müssen.

Volleyball, eine um 1900 in Amerika erfundene Sportart, wurde in Europa und insbesondere in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg so richtig bekannt. Der Internationale Volleyballverband wurde 1947 gegründet, der Deutsche Volleyball-Verband gar im Jahre 1955 – die Volleyballer aus Limburgerhof waren somit durchaus Pioniere dieses Sports. Die erste Deutsche Meisterschaft ging im Jahre 1957 an die Pädagogische Hochschule Hannover. In der DDR wurden bereits seit 1951 nationale Meisterschaften ausgespielt.

Deutsche Meisterschaft 1958
Die zweite Deutsche Volleyballmeisterschaft wurde im Jahr 1958 in Castrop-Rauxel ausgespielt. Am 8. November spielte die Mannschaft aus Limburgerhof ihre Gruppenspiele gegen Hannover 3:2, gegen Wuppertal 3:0 und gegen Saarwellingen 3:0. Am 9. November wurde vormittags im Halbfinale die Mannschaft aus Hamburg mit 3:1 besiegt. Der Endspielgegner Hannover gewann sein Halbfinale gegen die Uni Freiburg. Nach einem dramatischen Fünfsatzmatch im Endspiel, das über 2 Stunden dauerte, hieß der zweite Deutsche Volleyballmeister Limburgerhof. Spieler der Meistermannschaft 1958 waren: Fritz Buch (geb. 1940 in Rockenhausen), Reinhard Blechschmidt (geb. 1939 in Kiel), Helmwart Dubiel (geb. 1935 in Loslau/Oberschlesien), Karl Herzog (geb. 1941 in Erfurt), Bernhard Klinger (geb. 1940 in Wiesenthal/heute: Tschechien), Bernd Henschke (geb. 1943 in Kochall/Posen), Trainer: Werner Lohr (1927-1993).
Nach der ersten Deutschen Meisterschaft kamen 1959 die Spieler Gerhard Hommel (geb. 1939 in Saalfeld/Thüringen), Willi Ferier (1938-1997, Heerlen/Niederlande) hinzu.

Die dritte Deutsche Meisterschaft der Damen und Herren im Jahr 1959 richtete dann der ASV Limburgerhof aus, Spielstätte war die Sporthalle der Carl-Bosch-Schule in Limburgerhof. In der Vorrunde gewann die Mannschaft des ASV Limburgerhof ihre Spiele ohne Satzverlust gegen Wuppertal, Saarwellingen und Hamburg. In der Zwischenrunde besiegte man dann Freiburg mit 3:0 Sätzen. Die Endspielgegner waren wiederum die Hannoveraner, die sich gegen München, Göttingen und Freiburg durchsetzten. Zum zweiten Mal schaffte Limburgerhof den Gewinn der Meisterschaft, diesmal sogar klar in drei Sätzen: 15:11, 15:5. 15:6. Interessierter Beobachter während dieser Meisterschaft war auch Horst Baacke, Staatstrainer der damaligen DDR.
Im November 1960 fanden die Deutschen Volleyball-Meisterschaften in Heidelberg statt. Limburgerhof galt eindeutig als Favorit und war auch in der Vorrunde gegen Braunschweig, Stuttgart und Freiburg eindeutig in zwei Sätzen erfolgreich. Allerdings verlor die Mannschaft dann in der Zwischenrunde unerwartet gegen Hamburg, sodass am Ende nur Platz 3 gegen
Freiburg erreicht wurde. Der neue Deutsche Meister kam aus Hannover. Nach diesen Deutschen Meisterschaften 1960 löste sich die Meistermannschaft auf. Viele Spieler wechselten zu Alemannia Aachen und wurden mit dieser Mannschaft dann 1961 Deutscher Meister. Andere begannen eine Studium oder gingen zur Bundeswehr. 1964 löste sich auch der ASV Limburgerhof auf, die Volleyballer wechselten zur TG 04 Limburgerhof.

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