Jugendhauptausschuss in Maikammer am 19.02.2016

Der neue Vorstand
Der neue Vorstand

Am Freitag, 19. Februar 2016 fand im Rassiga-Keller (Bürgerhaus) in  Maikammer die Sitzung zum Jugendhauptausschuss der Sportjugend Pfalz statt. Der Vorsitzende Stefan Leim berichtete nicht nur über die Arbeit der Sportjugend Pfalz im Jahr 2015, sondern erläuterte auch das Programm in 2016. Außerdem wurde Jan Krämer ( FC Queidersbach) zum neuen Beisitzer gewählt, nachdem Alexander Häßel berufsbedingt zurücktreten musste.

Im Vorfeld diskutierten ab 18.00 Uhr Vertreter der Sportjugend mit Landtagsabgeordneten und solchen, die es werden wollen, über die Jugendarbeit im organisierten Sport.

 

Bericht zur Podiumsdikussion

Projektanträge: »Man fragt sich, ob dieses Verhältnis noch lohnend ist?«
Wahlhearing der Sportjugend Pfalz mit Vertretern der Parteien in Maikammer
 
Die Landtagswahl 2016 war der Anlass für ein Wahlhearing der Sportjugend Pfalz am 19. Februar im Bürgerhaus in Maikammer. Zentrales Thema war die Jugendarbeit im organisierten Sport. Im Vorfeld erhielten die Parteien einen Fragenkatalog, der sich insbesondere auf die akuten Probleme der Sportvereine und -verbände bezog. Es entstand eine sehr lebhafte Diskussion. Zahlreiche interessierte Sportvereinsvertreter und Delegierte waren gekommen. Auf dem Podium standen Johannes Steiniger (CDU), Ruth Ratter (Bündnis 90/Grüne), Anke Simon (SPD), Julian Theiß (DieLinke) und Goswin Förster (FDP). Die Moderation übernahm der Vorsitzende der Sportjugend Pfalz, Stefan Leim. In einem Punkt waren sich alle Politiker sofort einig: Unsere Sportvereine sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Sport fördert die soziale Kompetenz, die Gemeinschaft, leistet einen großen Beitrag in den Bereichen Integration und Inklusion, steht für qualitative außerschulische Jugendbildung und hat auch positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit. So weit, so gut.
 
Aus Sicht des Sports werden diese Leistungen jedoch nicht honoriert. Die finanziellen Mittel für den Sport in der Pfalz
wurden Mitte der 1990er um über 800.000 Euro zurückgefahren. Seitdem wird »geradeausgefahren «, gleichzeitig vom Sport in gesellschaftlicher Hinsicht immer mehr gefordert. Leidtragende sind die Vereine, die auf Wunsch der Politik mehr machen sollen, aber finanziell kurz gehalten werden. Da kommt Unmut auf. Genauso intensiv fordert der Sport eine kontinuierliche Förderung der Vereinsarbeit, anstatt ständig neue Projekte ins Leben zu rufen, welche in ihrer Wirkung nicht oder nur selten geprüft werden. Hubert Wolf, Sportkreisjugendleiter der Stadt Zweibrücken: »Der Sport nimmt sich gesellschaftlichen Problemen an, er bietet Lösungen beispielsweise in den Bereichen Integration und Inklusion. Dennoch versäumt es die Politik dieses große Engagement zu fördern. Stattdessen müssen seitenweise Projektanträge gestellt werden, die ein ehrenamtlicher Mitarbeiter kaum zu leisten imstande ist.« Wolf fordert eine klare Reduzierung der Projektmittel zugunsten einer permanenten Sportförderung. Genauso Sportkreisjugendleiter Sven Greiner (Südwestpfalz):
»Für einen Zuschuss von 300 Euro aus dem Integrationstopf muss ich acht Seiten Antrag ausfüllen. Da fragt man sich, ob dieses Verhältnis noch lohnend ist?« Auf diese Probleme sind die Regierungsvertreter kaum eingegangen. Zahlen über die Höhe der Projektmittel konnten Anke Simon und Ruth Ratter nicht vorlegen. Laut CDU-Vertreter Steiniger ist Geld vorhanden, welches nach Aussagen der SPD jedoch nicht gegenfinanziert sei. Die Projektförderung bleibt also bestehen, da die aufgewendeten Steuergelder auf diese Weise besser zu kontrollieren sind. Anke Simon (SPD): »Projektmittel dienen einer gezielten Steuerung.« Was genau gesteuert werden soll und wie, bleibt aber weiterhin unklar.
 
Hitziger Diskussionspunkt war das am 01.01.2012 neu aufgelegte Bundeskinderschutzgesetz. »Ich bin Jugendleiter in meinem Verein und habe die »ehrenvolle« Aufgabe, neben dem Ehrenkodex auch mit allen in der Vereinsjugendarbeit
tätigen Mitstreitern anhand des Prüfschemas festzustellen, ob ich ein erweitertes Führungszeugnis einfordern soll«, erörtert Jan Krämer vom FC Queidersbach sein Problem.
Er wisse daher nicht, ob er dieses Amt aufgrund dieser administrativen Aufgaben noch weiterhin begleiten oder lieber nur noch Tennis spielen werde. Hier wurde das Anliegen von allen politischen Vertretern »überhört«. Der Sport fordert eine Vereinfachung zur Umsetzung dieser Vorschrift. Beantragung und Dokumentation der Führungszeugnisse für Übungsleiter und alle im Bereich Jugendsport aktiven Personen können nicht zu Lasten engagierter Vereinsmitarbeiter gehen. Darunter
leidet das Kerngeschäft, das im Wesentlichen die Erstellung eines qualitativ hochwertigen Bewegungsangebots als Trainer/
Übungsleiter vorsieht. Ähnlich sieht es CDU-Politiker Johannes Steiniger, der den »Übungsleiter als Dreh & Angelpunkt für guten Sport« bezeichnet. Allerdings hält auch er an den bürokratischen Hürden fest. Nächster Punkt: Die finanzielle
Förderung von Kinder- und Jugendarbeit in den Sportvereinen. So fordert beispielsweise Michael Trauth (Volleyballverband
Pfalz) auch Freizeit- Maßnahmen zu fördern, die die sportliche Bewegung in den Vordergrund rückt. »Auch wenn ich bei unseren mehrtägigen Veranstaltungen meine Sportart auf einem höheren Niveau ausübe, steht immer noch der Freizeitgedanke im Vordergrund und darf nicht als leistungssportorientierte Maßnahme von einer Förderung ausgeschlossen werden.« Ein erster Lichtblick hierzu ist die Erhöhung der Landeszuschüsse von 1,70 € auf 2,00 € pro Tag/TN. Letztlich stand die Förderung von Freiwilligendiensten im Sport auf der Tagesordnung. Während Freiwillige an Ganztagsschulen komplett vom Ministerium finanziert werden, müssen Vereine den Beitrag für ihre Freiwilligen selbst stemmen. Hier besteht noch erheblicher Gesprächsbedarf, den die Sportjugend in weiteren Treffen zu erörtern versucht. ‹
 

 

Kommentar zur Podiumsdiskussion

<p><strong>Peter Conrad</strong><br />Jugendsekretär<br />Kontakt über die Geschäftsstelle:<br /><strong>T</strong> 0631.34112-50<br />Peter.Conrad@sportbund-Pfalz.de</a></p>
Peter Conrad
Sportjugend-Wahlhearing: Antworten schuldig geblieben
 
Am 13. März finden die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz statt. Die Sportjugend Pfalz nahm dies am 19. Februar in Maikammer zum Anlass, der Politik auf den Zahn zu fühlen und sich über die zukünftige Ausrichtung respektive die Unterstützung der Parteien für den Sport zu informieren (Bericht S. 5).
 
In einem Punkt waren sich alle Vertreterinnen und Vertreter der politischen Gruppierungen beim Wahlhearing einig: Die sportliche Jugendarbeit in den Vereinen und Verbänden ist was wert! So erleben Kinder und Jugendliche nach den Aussagen der Podiumsteilnehmer von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP durch den Sport eine »tolle Gemeinschaft im fairen Wettstreit«, erlernen »soziale Kompetenzen« und auch unterschiedliche gesellschaftliche Anforderungen wie »Integration und Inklusion«. So weit so gut. Über das »Wie« gehen allerdings die Meinungen auseinander. Geht es bei
der Diskussion ans »Eingemachte«, also der finanziellen Ausstattung des Sports, ziehen sich vor allem die derzeitigen Regierungsparteien des Landes in ihr Schneckenhaus zurück. »Geradeausfahren« ist derzeit ihr politisches
(Un)Wort. Wir hören Satzfragmente wie: »…ich verspreche mal gleich gar nichts…« bis hin zur Aussage, »…der Sport sei doch gut aufgestellt und solle seinen Teil der Schuldenbremse mittragen…«. Dabei wird ganz vergessen, dass die Anforderungen an den Sport in den letzten Jahren stets gestiegen sind, während sich die finanziellen Mittel gleichzeitig auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau eingependelt haben. Dem Sportbund Pfalz und seiner Sportjugend stehen seit Mitte der 90er Jahre jedes Jahr über 800.000 Euro Landesmittel weniger zur Verfügung. Das ist das »Geradeausfahren« der
Landesregierung. Wer aber immer nur geradeausfährt, fährt irgendwann an die Wand! Zusätzlich zur institutionellen Förderung eingerichtete Projektmittel »einer gezielten Steuerung« helfen herzlich wenig. Sie gehen häufig am Sportverein
vorbei, denn Vereine sind nicht von oben zu steuern. Vereine agieren aus der Basis und aus einer individuellen Notwendigkeit. Die ehrenamtliche Tätigkeit hat sich auf die praktische Umsetzung spezialisiert und beschreibt die erforderliche »Antragsphilosophie« als viel zu aufwendig. Erleichterungen in bürokratischer Hinsicht sind auch nicht zu erkennen. Der Aufwand gerade beim §72 a zur sexualisierten Gewalt ist höchst problematisch, die Sportvereine und -verbände stehen vor gewaltigen Problemen. Lediglich die Äußerung des Bundestagsabgeordneten Steiniger bei unserem
Wahlhearing lassen hier eine – wenngleich nur geringe Verbesserung – erhoffen. Es kommt auf den Sport noch jede Menge Arbeit zu. Daher sind wir bestrebt, die jetzt begonnenen Gespräche zu forcieren, fortzusetzen und stärker denn je
auf die Sorgen unserer Vereine und Verbände hinzuweisen. Treten wir daher weiterhin gemeinsam als Einheit auf und verleihen unseren Forderungen entsprechenden Nachdruck!