| Ein Beitrag von Iris Pasker-Horwath |
Im Rahmen der Reihe »Was bewegt dich andere zu bewegen?« werden unterschiedliche Menschen vorgestellt, die sich im pfälzischen Breitensport als Übungsleiter engagieren und somit einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft leisten.
»Mir ist es enorm wichtig, dass es in diesem Artikel nicht nur um mich als Übungsleiterin geht, sondern dass die Leser auch erfahren, wie es in langen Jahren dazu gekommen ist, dass im Judo-Sportverein Speyer Inklusion seit 25 Jahren gelebt wird.« Mit diesem Satz hat Gerlinde Görgen vom Judosportverein Speyer die Grundlage für das Interview gelegt.
Dennoch, liebe Gerlinde, stelle dich bitte unseren Lesern kurz vor.
»Ich bin Gerlinde Görgen, 67 Jahre alt und arbeite, obwohl ich schon in Rente bin, sehr gerne noch als Leiterin der Geschäftsstelle des Judosportvereins Speyer in Teilzeit. In meiner Freizeit lese ich gerne und arbeite in meinem Garten.«
Das ist beeindruckend. Eigentlich könntest du dich doch ganz zur Ruhe setzen.
»Es macht mir einfach noch viel Spaß im Verein zu arbeiten. Ich werde hier wertgeschätzt und das Team und der Verein gehören einfach zu meinem Leben.«

Das Trainerteam der Inklusion von links: Elke Sprau, Catalina Olave-Munoz, Jürgen Teutsch, Nicole Seiler, Gerlinde Görgen – es fehlt Jens Krämer.
Das begründet dann wohl auch dein langjähriges Engagement als Übungsleiterin, oder?
»Ja, genau so ist es. Seit 30 Jahren bin ich Übungsleiterin und am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass die Inklusion, vor allem von geistig beeinträchtigten Kindern, aber auch Erwachsenen, eine so große Rolle in meinem Leben und im Verein spielen würde. Ein Erlebnis, das ich vor langer Zeit hatte, hat den Stein wohl ins Rollen gebracht. Eine Drillingsmutter hat nur eins ihrer Drillinge bei mir in die Kinderturngruppe gebracht. Sie meinte, dass die beiden anderen Kinder das aufgrund von Beeinträchtigungen nicht könnten. Nach ein paar Stunden, in denen zwei von der Bank aus zuschauten, habe ich sie eingeladen mitzuspielen. Und es hat gut geklappt. Die Freude, und Dankbarkeit, die das bei dieser Familie ausgelöst hat, werde ich nie vergessen. Daraufhin habe ich auch die Qualifikation »Motopädagogik« beim Psychomotorik Verband gemacht und auch die Übungsleiter B-Lizenz Sport in der Rehabilitation beim Behinderten Sportverband. So habe ich gelernt, worauf ich bei Menschen mit Beeinträchtigung besonders achten muss. So entstanden nach und nach die Inklusionsangebote in unserem Verein. Bei Kinderärzten und anderen Institutionen hat sich herumgesprochen, dass wir in unserem Verein viele inklusive Angebote haben. Auch in unserer Kernsportart Judo gab es ab diesem Zeitpunkt eine so genannte »ID-Judogruppe« (englische Bezeichnung für Sportgruppen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung). Diese wurde von meinen Judokollegen Jürgen Albert und später Jürgen Teutsch und Catalina Olave-Munoz geleitet. Dann hat meine Kollegin Nicole Seiler eine Kooperation mit der jungen Lebenshilfe aufgebaut, über die viele Kinder zu unseren Turntigern kommen. Seit einem Jahr gibt es außerdem eine inklusive »Judo-Entdecker-Gruppe« für Kinder von 6-8 Jahren mit Jens Krämer. Demnächst starten wir eine weitere ab 10 Jahren.«
Wie viele Gruppen betreust du?
»6 Gruppen, die wir »Turntiger« nennen. Das sind inklusive Gruppen für Kinder von 4-6 Jahren. In diesen Gruppen geht es um das Kinderturnen in all seinen Facetten. Darüber hinaus betreue ich noch eine Sport- und Gymnastikgruppe für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung zusammen mit meiner Freundin Elke Sprau. Zudem haben wir in allen Gruppen noch weitere jugendliche Helfer, die uns unterstützen, denn allein kann man keine inklusive Gruppe leiten. Wir sind ein tolles Team und lernen auch viel voneinander.«

Eine inklusive Erwachsenengruppe des JSV Speyer gemeinsam mit Gerlinde Görgen und einer weiteren Trainerin bei einem Ausflug in die Niederlande.
Wie kommst du auf neue Ideen und nutzt du Fortbildungsangebote?
»Teilweise besuche ich die klassischen Lehrgänge zur Lizenzverlängerung beim Behindertensportverband, der Sportjugend und dem Sportbund Pfalz. Auch im Internet finde ich sehr viele tolle Anregungen.«
Welche Wünsche bleiben offen?
»Ich wünsche mir, dass viele, vor allem junge Menschen, verstehen und erfahren, wie viel diese besondere Art der Übungsleitertätigkeit einem gibt. Und für mich wünsche ich mir, dass ich die Gruppen noch lange leiten kann. Solange, wie meine Gesundheit es mir erlaubt.«